Verfasst von: alanwallislloyd | Januar 29, 2010

Der 500-Jahresplan Nachtrag zu meinem Bericht vom 16. Juni

[20. Juni 2008]

Auch die schlimmsten Naturkatastrophen gehen irgendwann zu Ende. Wo ich wohne, kehrt die Normalität wieder ein. Der bedeutendere Nachbarort Cedar Rapids dagegen ist bis auf weiteres unbewohnbar: die gesamte Innenstadt stand bis vor kurzem unter Wasser, inkl. alle Regierungsgebäude, das Kunstmuseum, das historische Opernhaus, das National Czech and Slovak Museum, das historische tschechische Viertel mit der altehrwürdigen Wenceslaskirche (diese Region ist das Zentrum tschechischer Einwanderung in die USA) sowie die älteste Moschee der USA (Baujahr 1934). 23.000 Menschen sind bis auf weiteres obdachlos. Das Trinkwasser ist rationert (um Wasser zu sparen, darf man zwar aufs Klo gehen, aber nicht die Hände waschen!). Es besteht Vergiftungs- und Seuchengefahr. Dazu kommen Probleme, über die sich wohl die wenigsten jemals Gedanken gemacht haben: Berge von Giftmüll und -schlamm, verseuchte Gemüsegärten, Killer-Schimmelpilze in den Wänden, und nicht zuletzt himmlische Heerscharen von Mücken.

Das ist allerdings ein natürlicher Vorgang, zumal die Katastrophe auf das Konto der starken Niederschläge geht und von menschlicher Seite vorbildlich gemanagt wurde. Was mich dabei beunruhigt, ist die Tatsache, dass genau diese Katastrophe erst vor sehr kurzer Zeit von den Behörden vorausgesehen wurde – als ein Ereignis, das angeblich nur einmal in 500 Jahren stattfinden könne. Wie beruhigend! Was kann sich sonst noch alles in den nächsten 500 Jahren ereignen? Oder bereits morgen? Oder jetzt gleich…?

Cedar Rapids (US-Staat Iowa), Juni 2008

[16. Juni 2008]

Neues vom Verlag – und ein Weckruf von Mutter Natur

Es freut mich sehr, dass der erste Band der Korongo-Reihe, „Nachtflug zum Kilimanjaro“, fast ausverkauft ist und bald in die zweite Auflage geht. Über den Erscheinungstermin sowie über das neue Cover werde ich meine Leserinnen und Leser rechtzeitig informieren. Bd. 2, „Im Reich Ngassas“, wird voraussichtlich in der kommenden Woche ausgeliefert und „Auf dem Rücken des Nordwinds“ geht Ende August an die Lektorin. Also, es geht voran!

Ich werde mich ab kommender Woche für knapp zwei Monate im Mittleren Westen der USA aufhalten, wo ich seit vielen Jahren einen Sommerkurs an der University of Iowa unterrichte. Dieses Mal wird der Sommer wohl spannender als sonst werden, da die Uni mitten im Katastrophengebiet liegt und sich teilweise schon unter Wasser befindet. In meinem Ort sind bisher 9.000 Menschen evakuiert worden, aber im benachbarten Cedar Rapids sind schon über 24.000 auf der Flucht. Überall Sandsäcke, Nationalgarde, Checkpoints. Die Uni ist bis auf weiteres geschlossen, mein geliebtes Kunstmuseum mit der einmaligen Afrikaabteilung ist schon beschädigt, den weitläufigen Stadtpark gibt es nicht mehr und die Stunden des wunderschönen Shakespeare-Theaters, wo jeden Sommer das berühmte Shakespeare-Festival stattfindet, sind wohl gezählt. Im Gegensatz zum Katrina-Desaster in New Orleans im Jahre 2005 scheint die Regierung die Situation einigermaßen im Griff zu haben. Dennoch kann man die Natur nie ganz in den Griff kriegen, da sie uns ja im Griff hat. Wer diese einfache Tatsache außer Acht lässt, lebt gefährlich.

Mein persönliches Abenteuer beginnt schon am Dienstag, da die normalerweise 30-minütige Fahrt vom Flughafen in die Stadt möglicherweise in eine 6-stündige Odyssee ausarten wird, zumal alle großen Straßen und Brücken in einem Gebiet, das etwa so groß wie Bayern ist, noch gesperrt sind. Vielleicht geht alles gut, aber es kann durchaus sein, dass ich die ersten Tage in einer Notunterkunft der Nationalgarde verbringen werde – eine neue Erfahrung, die ich natürlich auf dieser Seite zum Besten geben werde. Ich halte Sie auf dem Laufenden!

Hier sind einige neue Zeitungsfotos aus dem Katastrophengebiet:

Land unter im Mittleren Westen

24.000 Evakuierte

Das inzwischen zerstörte Shakespeare-Theater im (ehemaligen) Stadpark

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